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Sophia Süßmilch und die Ausstellung des Kleinen Mannes (mit Felix Burger als der Kleine Mann)

Krobath Wien
14/04/2022 bis 25/05/2022

Sophia Süßmilch und die Ausstellung des Kleinen Mannes (Selbstbildnis mit Krokodil)

Pain, oida. So einen Pain wie diese Sophia Süßmilch in ihrem Kopf musst du erst mal haben.
Aber macht nix, wir verrotten ja alle irgendwie. Im Kapitalismus, und da ist ja der Kunstmarkt das Allerärgste, da muss funktionieren, muss muss muss, tack tack tack.
Und als Künstlerin, da musst du ja überhaupt die Allerbeste sein, etwas ganz Besonderes, hervorstechen aus der grauen Masse der Individualistensäue.
Da entsteht ein Druck, schon wenn du früh morgens die Äuglein aufmachst müssen dir die genialsten Gedanken kommen, wenn du dich mal fünf Minuten zu Ruh legen willst, dann ham sie dich schon alle überholt.
Ganz gewiss nicht darfst du es machen wie der kleine Mann: ein Leben führen. Bestehend aus vielen Teilen, die sich alle unterscheiden und abwechseln, bis das Leben wieder vorbei ist, alles normal.
Das Leben war vorbei in dem Moment als sie die Mappe für die Kunstakademie abgegeben hat.
Bäm Bäm Bäm, Süßmilch, komm hau die Brüste raus, ist dieses painting schon verkauft.
Der Pressure sitzt, jetzt wo die Frau bald 40 ist, fest in ihrem Schädel.
Denn auch wenn Sie ein Göttin sein möchte, sie ist doch nur ein Menschlein mit ihrem kaputten Schädel, der Ideen spucken muss.
Da fetzen die Bilder da faucht die Muschi, es rauschen die Nerven, noch spürt das Herz.
Der Glaube sitzt da in ihrem Herzen, dass geboren zum Genie sie nicht ist, dennoch, vielleicht, wenn Sie sich ganz ganz arg anstrengt, dann.
Hätte man sie doch nur einmal zur Klassensprecherin gewählt in ihrer Kleinstadt, es wäre die ganze Nummer mit Künstlerin pi pa po erspart geblieben.
Das Leben ist Leiden, ist Schädlweh: sitzt da festgebissen wie ein Krokodil das zu faul und zu blöd zum Laufen ist. Mappe abgegeben, Festgeschnappt. Hat es sich und sitzt seitdem dort.
Kennt ihr es schon? Kennt ihr es auch? In meinem Schmerz, da möchte ich nicht alleine sein.
Nicht musst du alleine sein, Sophia Süßmilch, weil ich bin du und du bist ich, ach sind wir nicht alle nur der Kleine Mann. Nur so ein Gedanke, Süßmilch, mitten im Schmerz, da sitzt er doch, der Gedanke „Kleiner Mann“ , der ist bei dir und ihr seid ohne Einsamkeit. Es ist der Gedanke, der zählt.
Sei Göttin, sei gut und normal, sagt er.
Das ist schön
Wir sind jetzt hier, Krokodil, Mann und ich.
Und im Pain
Da muss man nicht alleine sein.
Da teilen wir auf, weil gemeinsam ist man stark.
Kapitalismus freut sich auch, weil Arbeitsteilung Optimierung ist.
Der erste Gedanke des Tages muss stets sein:
Je suis moi, je suis toi, je suis Der kleine Mann.

Text: Sophia Süssmilch

PERFORMANCE:
“Lustiges Ostereier suchen”
mit Sophia Süßmilch und ihrer Mama
mit Felix Burger und Vito Baumüller
14. April 2022, 19 Uhr

KAPPA KAPPA CRINGE

https://petramartinetz.de/time/upcoming/
19/03/2022 bis 13/05/2022

JODY KORBACH, NOUCHKA WOLF, SOPHIA SÜßMILCH

Ein Ausstellungstitel wie eine amerikanische Studentenverbindung. Mitglieder dieser in der Galerie Martinetz erstmals gemeinsam präsentierten sorority sind die Künstlerinnen Jody Korbach, Sophia Süßmilch und Nouchka Wolf. Alle eint in ihren Werken die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Satire darf alles, Ironie ist vorbei, Überzeichnung und Humor sind seit längerem in der Politik angekommen. Was bleibt noch zu tun und kann eine Ausstellung das Greek Life zelebrieren?

Jody Korbach (*1991) zeigt in verschiedenen Medien auf, wie Ideologieversessenheit mit einem Ausweg zu begegnen ist: Auf Sideboards (Gelsenkirchener Barock) macht Korbach etwa die Auseinandersetzung mit den 1990er Jahren und der Bonner Republik zum Thema (“1000 Jahre CDU”). Auf T-Shirts bringt sie den DIY-Gedanken der Punkbewegung zum Tragen, Getränke- oder Essensmarken lenken durch ihre serielle Reihung die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Teile, die eine Idylle fernab eines urbanen Umfeldes ironisieren. Was bleibt, wenn bereits alles versucht, wiederverwertet und rekontextualisiert wurde?

Die erstmals öffentlich ausgestellten Gemälde von Sophia Süßmilch (*1983) entstanden ursprünglich für Titanic und wurden seit Herbst 2020 Monat für Monat auf der letzten Seite des Satiremagazins publiziert. Darin begegnen sich Politikerinnen, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens etwa auf Augenhöhe mit Gott, die im Zusammenspiel mit den von Süßmilch vergebenen Werktiteln eine Abrechnung erfahren (Cringe).

Von der in Berlin lebenden Künstlerin Nouchka Wolf (*1982) werden teils neue, eigens für die Ausstellung geschaffene Gemälde ausgestellt, die häufig Bild und Text in Beziehung setzen und Wolfs malerische Sichtweise auf ein dystopisch bevölkertes Szenario wiedergeben: Romulus kann sich partout nicht mehr an seinen Bruder erinnern oder Mann und Frau erproben sich im Kampf der Planeten unter verschiedenen Prämissen: Evolution, Pollution, Execution und Absolution. In der Videoarbeit „Armer schwarzer Kater“ (zusammen mit A. Wolf) stimmt Wolf die ersten Sätze aus Franz Schuberts „Der Atlas“ an, das ja bekanntlich mit den Worten endet:

„Du stolzes Herz! du hast es ja gewollt,
Du wolltest glücklich seyn, unendlich glücklich
Oder unendlich elend, stolzes Herz,
Und jetzo bist du elend.”

Die Welt als Herz, im Hier und Jetzt. (Kappa. Kappa. Cringe.)

An exhibition title like that of an American Sorority. The artists Jody Korbach, Sophia Süßmilch and Nouchka Wolf are members of the sorority that is being presented together for the first time at Galerie Martinetz. They are all united in their critical engagement with the present day. Satire can do anything, irony is over, exaggeration and humour have long since entered politics. What remains to be done, and can an exhibition celebrate Greek Life?

Via a diverse range of media, Jody Korbach (*1991) demonstrates how ideology obsession can be countered with a way out: on sideboards (Gelsenkirchen Baroque), for example, Korbach makes the 1990s and the Bonn Republic the subject of discussion („1000 Years of the CDU“). She brings the punk movement’s DIY concept to bear on T-shirts; through their serial arrangement, drinks and food tokens draw attention to the individual pieces, which cast irony on an idyll far removed from an urban environment. What remains when everything has already been attempted, recycled and recontextualised?

Exhibited publicly for the first time, the paintings by Sophia Süßmilch (*1983) were originally created for Titanic and have been published month by month on the satire magazine’s last page since autumn 2020. In them, politicians and public figures meet God at eye level and, in interaction with the titles assigned to the works by Süßmilch, experience a reckoning (Cringe).

The exhibition includes new paintings by Berlin-based artist Nouchka Wolf (*1982), many of which have been created especially for the exhibition. The paintings often set image and text in relation to one another and reflect Wolf’s painterly perspective on a dystopian, populated scenario: Romulus can no longer remember his brother, or man and woman test themselves in the battle of the planets under various premises: evolution, pollution, execution and absolution. In the video work ‘Armer schwarzer Kater’ (together with A. Wolf), Wolf intones the first lines of Franz Schubert’s ‘The Atlas’, which, as is known, ends with the following words:

“Proud heart, you wished it so!
You wished to be happy, endlessly happy,
or endlessly wretched, proud heart!
And now you are wretched!”

The world as a heart, in the here and now. (Kappa. Kappa. Cringe.)